Über Malerei

Ich vergleiche meine Handwerk gerne mit dem des Bäckers. Ein Brot und ein Bild. Der Teig des Bildes entsteht im Auftrag der Farbe, dem Teilen der Fläche, der Wahl des Materials. Irgendwie muss es durch die Arbeit gelingen, etwas Kostbares herzustellen, sonst ist das Ganze vergebliche Mühe. Die Verwandlung von der Beliebigkeit in das Wertvolle ist notwendig. Oft ist schwer zu unterscheiden, ob diese Verwandlung nur im Kopf stattfindet, begründet in einer euphorischen Stimmung, oder ist sie materiell mit dem Bild geschehen und wirklich. Das Aufscheinen von Kostbarkeit kann aber auch von mir in einer Phase der Verzweiflung während der Arbeit übersehen, wieder zerstört werden in der Unruhe der Umformung. Was hält sich und was hält sich nicht. Die Malerei ist ein schmutziges Handwerk. Es fällt Erde an. Und es sollte auch ein Hauch davon bleiben beim fertigen Bild. Nicht zu sauber werden, nicht alle Erde abwaschen. Manchmal denke ich auch, dass die Malerei verbraucht und erschöpft sei heute; und verfolgt durch Vorwürfe und Kritik: Alles schon gesagt, alles getan, das Beste vorbei. Die Versuchung liegt nahe, zu glauben, dass heute andere Bildmedien besser geeignet sind, um die Existenz zu überdenken. Vielleicht sind sie unverbrauchter und unbelasteter durch lange Traditionen. Aber es gibt auch Zeiten, in denen ich arbeite und überzeugt bin, dass auch noch in der Malerei unverbrauchte Bilder zu finden sind, die glaubwürdig Zeugnis ablegen über unser Leben, einfache Aussagen ohne den Scheingeist des Zynismus. Dokumentarische Kommentare, Einmischungen, Überlegungen, die Materie geworden sind durch Papier oder Stoff und etwas Farbe, die in einer gewissen Ordnung über eine Fläche verteilt ist. Diese Fläche kann gross sein oder auch nur Taschenformat haben. Aber die Malerei ist immer noch. Brot gibt es auch immer noch. Aber " der Mensch lebt nicht allein vom Brot allein...".

 

Willi Müller, 28. Februar 2007