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Die Verteidigung des Ganzen

Früher haben mich Maler wie Derain oder Amiet aufgeregt. Dieses Lavieren zwischen entschiedenen Positionen sah ich als Schwäche. Im Bild waren sie Impressionist, Expressionist oder schwankten gar auf noch ältere Positionen zurück, aber sie waren keines ganz.
Heute sehe ich das anders. Das Halten einer Mitte, im Notfall schwankend, unentschieden wirkend, sehe ich als eigene Qualität. Sich nicht vereinnahmen lassen von einer bestimmten Haltung. Das Uralte in der Malerei nicht aufgeben wollend und doch sich ausstrecken nach Neuem, nach Anderem, zögerlich, langsam, Schritte vorwärts machend aber notfalls zurückweichend: Ein ängstlicher Übermut im Setzen der Farbe, im Festhalten an Form und sogar Gegenstand und doch wieder alles verlierend.
So bleibt die Malerei armselig, in einer Art Rohzustand, fragmentarisch, aufscheinend, mehr Fragen als Antworten aufweisend. Sie soll aber den Diskurs der Zeit halten und die alten grossen Fragen der Menschheit bedenken. In der Gefahr der Schwere soll sie das Leichte anstreben. Ohnehin halte ich es mit Manet, der sich auch im Alter die Option offenhielt, gelegentlich "nur" einen Blumenstrauss oder ein paar Fische zu malen.

 

Willi Müller, August 2012