Bieler Tagblatt 26. August 2006

Schubkarren, Spritzkannen und ein paar Köpfe- das ist die "kleine Welt" die der in Nidau lebende Maler Willi Müller in der Galerie Vinelz zeigt. Der Künstler will mit den repetierten varierten Motiven sagen, dass es ihm nicht um grosse Themen geht, sondern um Malerei. Um das, was ein Pinsel via Handschrift, Farben und Komposation, selbst vom banalsten Gegenstand ausgehend, an emotionalen Werten sichtbar machen kann. Ganz ohne Symbolik agiert der Künstler allerdings nicht, ist doch der Garten eine wunderbare Metapher für Kommen und Gehen. Er nennt die "kleine Welt" auch "Stilles Leben". Aber halt - klein und still passt eigentlich nur zu den Motiven und der eindrücklichen Konzentration auf weniges. In den Bildern selbst hingegen ist nichts "klein" und "still". Der breite Pinsel führt mit Emotionen hin und her, setzt das kräftige Blau - die dominierende Farbe der Ausstellung - gezielt neben rot, gelb oder grün respektive deren Mischfarben. Die Formen sind nicht konturiert, sie fahren ein und aus, verbinden sich mit dem Hintergrund und werden von Kommendem danach wieder in Frage gestellt. Mal ist das Rad der Schubkarre links im Bild, mal ist die Diagonale steiler, mal flacher - doch das ist inhaltlich nicht relevant, wohl aber massgebend für die Sprache der Farbe und der Gestik. Willi Müller zeigt nachhaltig, wie faszinierend Malerei, unabhängig von Zeitströmungen sein kann. Wie vielfältig sie sich an einem Nichts wie einer Schubkarre "reiben" und immer wieder erneuern kann.

 

Annelise Zwez über die Ausstellung in der Galerie Vinelz 2006 im Bieler Tagblatt vom 26. August 2006